REVIEWS

Inch out on 28th May 2010

NEUME - “INCH“

musikansich.de

Das deutsche Duo Neume ist ein glasklare Liveband. Das soll bitteschön nicht heißen, das Ihr Debütalbum Inch, das übrigens sehr passend nur als Vinylalbum (welches jedoch eine CD Version enthält) und Download erhältlich sein wird, schlecht ist. Nein, die beiden Musiker, der eine Gitarist und ich sag mal Vokalist, der andere Schlagzeuger, brennen ein Wahnsinnsfeuerwerk auf den acht Stücken Ihrer Scheibe ab. Bei dem Konzept, auf sämtlichen Schnick Schnack zu verzichten und wirklich nur mit den genannten Instrumenten zu arbeiten, muss natürlich ein jeder 250% geben, um einen vollwertigen Sound zu erzielen. Und genau das geschieht dann auch. Schlagzeuger Tim “Thunder“ Jedro trommelt, als wäre der Leibhaftige hinter ihm her. Er spielt zwangsläufig sehr Energiegeladen und ttrotzdem sehr abwechslungsreich und treibt damit die Gitarren an. Diese werden von Tim “ Lightning“ Barhelt gespielt, und dieser haut alles zwischen eher Stonerverrhafteten, Metalgewittern und Noiseeskapaden aus seinem Instrument heraus. Der Gesang liegt eher im Bereich des Kreischens und Schreiens, wird aber auch so eingesetzt, das es niemals nervig wird. Das heißt, dass es immer viele instrumentale Passagen gibt und die Songs zu keiner Sekunde in Geschrei untergehen. Neume walzen Ihre Soundungetüme zwischen 3: 29 und 10:49 Minuten aus und erarbeiten so ein energiegeladenes Werk von ca. 47 Minuten, das man sicherlich auch zu Hause oder wo man immer sich mal gerade mit kräftigem Headbangen abreaguieren möchte hören kann, aber hier komme ich zu meinem Eingangssatz zurück, so richtig wirkt diese ungeschürte Power wohl wirklich nur Live, wenn die Bassdrum durch die Zwergfelle schießt und das Gitarrengewitter einem die Haare nach hinten pustet. Solange Neume aber nun gerade nicht in der Nähe spielen, tut das Album gute Dienste.

musik.terrorverlag.de

Die “Weltuntergangsmaschine“ lärmt noch immer, aber NEUME waren zwischenzeitlich weiter aktiv. Nicht um am Weltuntergang zu feilen, sondern um ein weiteres hervorragendes Noiserockmonstrum auf die Menschheit loszulassen. “Inch“ ist das Ergebnis, welches mit acht monumentalen, brachialen Rocktiteln für Furore sorgt. Auf Ihrem 12“ Debüt lässt es das rockende Duo ordentlich krachen, bringt schnarrende, rückkoppelnde Gitarren mit Gesang zusammen, welcher wie ein marodes Gebäude im Soundkonstrukt hängt. Shouteinlagen brechen unvermindert mit roher Gewalt durch die stromgeladenen Instrumente. Wütend und begierig saugen diese ihre Energie aus den Verstärkern, poltern und stolpern Bluesgetränkt über ihren eigenen “Puls“, um als “The Chemist“ nach der ultimativen Droge zu suchen. Derweil hat man diese längst entdeckt, denn die atmosphärische Stärke der acht Titel geht selbst über Tracklängen von mehr als acht Minuten nie verloren. Selten, dass sich das Duo im Spielwahn verfranst, und wenn folgt meist eine Entladung in ungestümen Solis. “Inch“ ist die logische Fortentwicklung der “Weltuntergangsmaschine“. NEUME etablieren sich damit als feste Noiserockgröße, mit dem Aggressionspotenzial eines Pitbulls.

indiestreber.de

Yeah, schon wieder eine Band mit verquerem Namen, die verqueren Noiserock spielt! Neume bestehen aus zwei Jungs, die mit Gitarre, Schlagzeug und Stimme bewaffnet gewaltig Krach machen. Da die zwei in Berlin lebenden Musiker beide mit Vornamen Tim heißen, haben sie sich auch gleich die schicken Spitznamen “Thunder“ und “Lightning“ zugelegt. Das passt wie die Faust in die Magengrube, schließlich sorgen Neume auf ihrem Debütalbum “Inch“ für ein heftiges Riffgewitter. Da wird aus Gitarre und Schlagzeug alles rausgeholt, was vier Arme und zwei Beine eben aus diesen beiden Instrumenten rausholen können. Die Stimme pendelt dazu zwischen verzweifeltem Krächzen und wütendem Bellen. Das klingt nach einem Job für Guido Lucas, in dessen Studio Neume ihr Debüt so direkt wie möglich auf Band geprügelt haben. Das Ergebnis klingt angemessen dreckig und strotzt vor roher Energie. Vor lauter Lärm und Stoner-Heaviness verlieren Neume dabei jedoch nie die Melodie und den Groove aus dem Blick. Man fühlt sich an die Kollegen von DYSE erinnert, allerdings mit leichtem Grunge-Einschlag. Und auch vor komplexen Songstrukturen wie im knapp elfminütigen Puls schrecken Neume nicht zurück – inklusive angetäuschtem Gitarrensolo und furiosem instrumentalen Finale. Wenig später wird dann mit schrägen Takten und Dissonanzen die Weltuntergangsmaschine angeworfen. Zum Abschluss gibt es mit dem verhältnismäßig ruhig beginnenden, sich aber zu einem wahren Brecher steigernden The Chemist nochmal ein Highlight. Einziges Problem an der Platte: Wenn man sie zuhause angemessen laut aufdreht, kann man auch gleich seinen Mietvertrag zerreißen. Da hilft wohl nur der Besuch eines Livekonzerts der Band. Wohliges Ohrenklingeln garantiert!

in-your-face.de

Gern lockert man seine musikalische Nahrung zwischendurch mal ein wenig auf. Nur was wirft man in den CD-PLayer? Um groß auf die Suche zu gehen, um im Plattenladen mal nach rechts oder links zu gucken, hat man keine Zeit. Da trifft es sich doch immer gut, wenn die Promotion-Agentur einem mit CDs zu pflastern, unter denen auch mal die ein oder andere Geschmacks-Neurors mit dabei ist. In diesem Fall war es die Debüt-CD des Berliner Noise-Duos NEUME. Ich hatte bereits die Gelegenheit, die beiden NEUMEs live on stage als Vorband von ULME sehen zu können, wo sich schon mal ein Ausrufezeichen setzen konnten. Was sie schon auf der Bühne ausmachte, war die Mischung aus Lärm, Frickellein und ruhigen Passagen, ganz ohne Bass. Tim und Tim, auch “Tunder“ und “Lightning“ genannt, legen einen Klangteppich aus, der normale Hörgewohnheiten öfter mal an die Grenzen führt. Der gewöhnungsbedürftige Gitarrensound, der fast schon wie ein Bass klingt und extrem verzerrt ist, wechselt zwischen straighten Riffs und wildem Saitengerocke hin und her, erinnert mal an NOMEANSNO mal an irgendwelche Freejazzer, ein anderes mal an alternative Post Rocker. Die Schlagzeugarbeit ist auch teilweise sehr hektisch. Trotz der ganzen unterschiedlichen musikalischen Empfindungen, arten die Songs NEUMES nie in ein unkoordiniertes Chaos aus oder werden unerträglich. Dafür sorgen die ruhigen, souverän vorgetragen Passagen, die dem Hörer den Zugang zu den Songs ermöglichen. Auch die beiden unterschiedlichen Gesangstypen bilden oft einen Gegenpol zu der Musik oder unterstreichen die Stimmung des Songs. NEUME machen abgefahrene, lärmige Musik, die aber nicht so abgefahren oder lärmig ist, dass ein Metal- oder Punkrock-Ohr davon taub wird. Wohl aber bietet das Noise-Duo mal eine Abwechslung zwischendurch. Wer also ein offenes Ohr für Bands wie KILLDOZER oder THE JESUS LIZZARD hat, sollte NEUME unbedingt mal anchecken.

glitterhouse.com

Hochenergetischer Lärm von einem wilden Duo, produziert vom Fachmann für Starkstromgitarren Guido Lucas in dessen bewährtem Blunoise-Studio. Raw & dirty, in nur wenigen Tagen eingespielt und dennoch in perfekter Klangästhetik. Die beiden Burschen arbeiten allein mit Schlagzeug (besser: frenetisches, break-trunkenes Power-Drumming) und Gitarre – die klingt weder heavy, noch jazzig, sondern bluesgetränkt, zumindest soundmässig. Was dann wie eine irre Mischung aus Sonny Sharrock, Caspar Brötzmann und Stevie Ray Vaughan klingt. Die Vocals sind nicht so wichtig, es dominiert ein wild herumschleudernder, Post-Grunge-Break- Wirbel, herrlich präzise gespielt und dennoch dreckig und ansatzweise sogar funky. Passt letztlich in kein Schema, schon gar nicht in das von grässlich intellektuellem Metal-Prog-Jazz, und ist schon deswegen absolut bemerkenswert. Würde ich mir gerne live anschauen.

gaesteliste.de

Harte Rockmusik jenseits des Heavy Metal ist ja normalerweise überschaubar: Möglichst viel Testosteron in harte Riffs und polternde Rhythmen getütet, ein wenig Schreigesang. Fertig. Doch das Duo (!) Tim Bathelt und Tim Jedro alias Neume gibt sich mit so etwas nicht zufrieden. Mit einem für Rockbands geradezu unbändigen Willen zum Komplexen türmen sie hier Rhythmen und Riffs aufeinander - nur um diese gleich wieder zu zerhacken und neu zusammenzusetzen. Am ehesten erinnert das, was Neume unter der Fuchtel von Guido Lucas da im Studio live aufs Band geknüppelt haben, nach den brutaleren Momenten der mittleren King Crimson-Phase. Wie die Herren das zu zweit in einem Rutsch hinbekommen haben, bleibt ein Rätsel, denn jeder, der dieses Werk hört, würde schwören, dass hier mindestens ein Trio, wenn nicht gar ein Quartett zu Gange ist. Inwieweit man solche musikalischen Machtdemonstrationen lieben kann, ist eine andere Frage - Achtung zollen muss man dem allemal.

saarbruecker-zeitung.de

Neume ist der stichfeste Beweis: Es braucht nur zwei Leute aus Berlin, um ordentlich Krach zu machen. Das markanteste des Noise-Duos ist sicherlich der wummernde Bass, der vor allem dann für Gänsehaut sorgt, wenn er einen Tick länger als nötig auf einer Note bleibt. Nach diesen Stellen lohnt es sich zu suchen in den teils acht Minuten langen Brummstücken, die auf einen Sampler gehören, auf dem schon Brant Bjork, Shellac und vielleicht auch Fu Manchu vertreten sind.

metalnews.de

“Alles Neume macht der Mai!“ - Wer sich unter einer Neume nichts vorstellen kann, der braucht sich deswegen mitnichten Vorwürfe zu machen. Denn selbst die Sendung mit der Maus, die ja gerne auch mal auf liebenswerte Weise verschrobenes Wissen [kann ein Auto auf vier Sandkuchen stehen, ohne das sie kaputtgehen?] unters junge Fernsehvolk bringt, hat sich meines Wissens noch nicht mit alten Notationsweisen für gregorianische Choräle befasst. Was das mit der Band NEUME zu tun hat? Zugegebenermaßen fällt mir die Antwort darauf nicht gerade leicht, denn mit gregorianischen Gesängen hat das Duo aus Schlagzeuger und Gitarrist/Sänger schlicht und ergreifend gar nichts gemein. Man könnte es höchstens so drehen: ebenso alt wie die elektrische Gitarre und erst recht so alt wie das Schlagzeug ist mit Sicherheit auch der Spaß einiger Leute daran, das Krachpotenzial dieser Instrumente voll auszureizen. Und genau da kommen NEUME mit ihrem Erstling “Inch“ ins Spiel, denn den Spaß am ungestümen Abrocken hört man den beiden zu jeder Sekunde an. NEUME drehen konsequent auf und lassen sich von ihrem energiegeladenen Noiserock spürbar selbst mitreißen. Interessanterweise bedeutet das keinesfalls, dass Songs wie “Chiaroscuro“, “Bred Last“ oder das grandios betitelte “Weltuntergangsmachine“ wie durchgehende Pferde davonrennen und völlig außer Kontrolle geraten. NEUME spielen intensiven, sich schüttelnden und aufbäumenden Noiserock, behalten aber zu jedem Zeitpunkt die Zügel in der Hand. Das ist auch gut so, denn sonst würde die schiere Menge an verschiedenen Riffs und Akzentuierungen “Inch“ vermutlich zu einem unhörbaren Salat machen. Stattdessen gelingt es den beiden Krachmusikanten erstaunlich souverän und unverkrampft, Abwechslung, Anspruch, mitunter an Hysterie grenzende Wildheit und satten Groove miteinander in Einklang zu bringen; auf eine Art und Weise die einem bei nur einigermaßen ausgeprägtem Interesse an unkonventioneller Rockmucke sofort in die Beine gehen muss. Wer jetzt unbedingt noch Vergleiche haben will, der darf sich unter NEUME vielleicht ungefähr eine Mischung aus DYSE, den MELVINS und KYUSS mit Koffeinschock vorstellen. Klingt gut? Ja, verdammt!

music-scan.de

Wenn man sich als Band darüber im Klaren ist, was man will, und man darüber hinaus auch noch von den eigenen Qualitäten überzeugt ist, braucht es nur noch das nötige Selbstbewusstsein und ein Studio, dass sich den Ideen gegenüber offen zeigt, um acht Stücke live einzuspielen. So ist auch das spontane, ungeschönte Wesen des eigenen Sounds einzufangen. NEUME aus Berlin treten als Noise-Rock-Band im besten Verständnis an und haben ihr Debüt-Album gemeinsam mit bzw. bei Guido Lucas eingespielt. Ob bereits vorab Klarheit darüber bestand, dass “Inch“ via bluNoise erscheint, ist nicht bekannt. Fest steht indes, dass die Hauptstädter nach Leideskräften wirbeln und mitreißende Stücke zwischen Frickelwahnsinn und bauchgesteuertem Heavy-Rollen vom Zaun brechen. NEUME tun ihren Hörern weh, haben aber auch eine Menge zu bieten. Unter der schroff-vertrackten Oberfläche verbergen sich nämlich übergeordnete Melodien und satte Rock-Hooklines, die sogar für Wiedererkennung taugen. Aus den von Haus aus limitierten Möglichkeiten der Zweierbesetzung holen die Berliner ein Maximum heraus. Man käme niemals auf den Gedanken, dass diese live eingespielte, wuchtig-organische Wall-of-Sound von einem Duo stammt. NEUME agieren auf “Inch“ destruktiv und zersetzend, achten aber immer auch darauf, ihre Songs zu entwickeln und hörbar zu halten. Hier zahlt es sich aus, dass die Musiker keine Noise-Puristen sind, sondern auch ein Faible für wuchtig-intensiven Dark’n’Roll mitbringen.